Ursprung und Geschichte des Museums
Die Grundsteine des Musée Massey wurden durch die visionäre Kraft von Placide Massey (1777–1853) gelegt. Als ein Mann von tiefem botanischem Verständnis, der zuvor als Direktor der Orangerie und der Parks von Versailles wirkte, begann er im Jahr 1825, Grundstücke in Tarbes zu erwerben, um sich ein privates Refugium zu schaffen. Zwischen 1829 und 1852 dehnten sich seine Besitztümer auf beachtliche 11 Hektar aus – ein weitläufiges Areal, das er mit der leidenschaftlichen Absicht verwandelte, ein Arboretum voller seltener und exotischer Pflanzenarten zu erschaffen.
Der Wandel von einem privaten Anwesen zu einer öffentlichen Institution nahm seinen Anfang mit dem Tod des Gründers im Jahr 1853. Mit seinem Ableben vermachte Placide Massey seinen gesamten Besitz der Stadt Tarbes. Dieses Vermächtnis ermöglichte es dem Anwesen, sich von einer abgeschiedenen Villa in den lebendigen Kulturraum zu verwandeln, der uns heute entgegentritt. Nach der ursprünglichen Gestaltung als privates Wohnsitzensemble wurde das Museum schließlich gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts offiziell ins Leben gerufen.
Das Gebäude und seine Architektur
Eingebettet in die Pracht eines magnifikenten Gartens, präsentiert sich das Musée Massey in einem eleganten Bauwerk, dessen Charakter maßgeblich durch seinen hispano-maurischen Stil geprägt wird. Die architektonische Evolution dieses besonderen Ortes nahm ihren Anfang mit einer ersten Bauphase, die von einem neoklassizistischen, italienisierenden Stil geprägt war. Diese ursprüngliche Vision sah bereits einen hohen Turm vor, der eigens dazu konzipiert wurde, den majestätischen Blick über die Pyrenäen schweifen zu lassen. In seiner Form ließ sich der Turm dabei von den charakteristischen Gemeinschaftstürmen der Toskana und Umbriens inspirieren.
Im Zuge des fortschreitenden Bauprozesses vollzog die Ästhetik des Turms jedoch eine tiefgreifende Wandlung. Er entwickelte sich hin zu einem orientalistischen oder maurischen Stil – eine Metamorphose, die sich eindrucksvoll in der detailreichen Ziegelsteinmetzerei widerspiegelt. Diese spezifische Ornamentik könnte ihren Ursprung im Minarett der El-Caouly-Moschee in Kairo gefunden haben. Die daraus resultierende Silhouette verleiht dem Gebäude eine unverwechselbare Präsenz und eine fast magische Ausstrahlung innerhalb der Gartenlandschaft.
Das Internationale Museum der Husaren
Das Musée Massey genießt das Privileg, die weltweit erste Sammlung zu beherbergen, die sich der bewegten Geschichte der Husaren widmet. Diese spezialisierte Zusammenstellung nahm ihren Anfang im Jahr 1955 unter der visionären Leitung von Marcel Boulin. Die Ausstellung entführt den Betrachter auf einen chronologischen Pfad, der die Präsenz dieser leichten Kavallerieregimenter von 1545 bis weit in das Jahr 1945 hinein nachzeichnet. Es ist eine Sammlung, die auf faszinierende Weise die Geschichte der in Tarbes stationierten Regimenter mit der Zucht des edlen Anglo-Araber verbindet.
Mit über 17.000 Exponaten bietet das Ensemble eine fast greifbare Verbindung zum militärischen Leben vergangener Epochen. Man findet dort kostbare Zeugnisse wie mit Borten und Knöpfen verzierte Dolmanen, Pelisse und markante Tschakos – allesamt physische Überreste einer ganz spezifischen militärischen Tradition. Das schiere Volumen dieser Sammlung ermöglicht es, die eindrucksvolle Evolution der Kavallerieausrüstung und der prachtvollen Uniformierung in all ihren Details zu studieren.
- Hussard fumant la pipe, 1910 - Édouard Detaille
- Charge de hussards du 1e Empire, 1891 - Édouard Detaille
- Hussard désarçonné, 1900 - Victor Adam
- Convoi harcelé par des hussards, 1800 - Francesco Giuseppe Casanova
Die Sammlung der Schönen Künste
Die Sammlung der Schönen Künste im Musée Massey fand ihren Ursprung in den visionären Initiativen von Achille Jubinal. Dieses Ensemble kostbarer Werke bildet einen stillen, fast meditativen Gegenpol zur Militärgeschichte, die in anderen Teilen des Gebäudes eindrucksvoll zum Tragen kommt. Als staatlich anerkanntes Musée de France bewahrt die Institution diese Schätze in einem Ambiente auf, das ihre historische Aura und ihre tiefe Präsenz unterstreicht. Die Auswahl umfasst eine Vielzahl von Gemälden und Porträts, die die ästhetischen Sehnsüchte und den Zeitgeist vergangener Epochen in sich tragen.
In den Beständen finden sich mehrere herausragende Porträts sowie sakrale Meisterwerke, die den Betrachter dazu einladen, die Technik und Komposition über die Jahrhunderte hinweg zu ergründen. Die Sammlung umfasst unter anderem:
- Portrait of a Woman, um 1650 - Thomas de Keyser
- Sainte Marguerite, 1700 - Matteo Rosselli
- The Virgin, the Child and the Saints, 1600 - Girolamo Del Pacchia
- Portrait of Philip IV, 1613 - Bartolomé González Y Serrano
- Madonna and Child, 1510 - Benvenuto Tisi
Jenseits der Leinwandkunst beherbergt das Museum zudem eine beeindruckende Sammlung romanischer und gotischer Kapitelle. Diese kunstvollen Steinmetzarbeiten stammen aus verschiedenen Kirchen des Departements und bieten eine unmittelbare, haptische Verbindung zur architektonischen Geschichte der Region. Sie verbleiben als physische Zeugen jener religiösen Bauwerke, die einst die Landschaft und das spirituelle Leben der Umgebung prägten.
Jüngste Projekte und Renovierungen
Nach seiner Schließung zwischen 1997 und 2012 durchlief das Museum eine tiefgreifende Phase der Transformation. Dieser Zeitraum ermöglichte ein umfassendes Renovierungsprogramm, das sich von 2006 bis 2012 erstreckte. Ziel dieser Initiative war es, die Räumlichkeiten zu modernisieren und die Bewahrung der kostbaren Sammlungen in einem zeitgemäßen Rahmen zu gewährleisten.
Das Ausmaß dieses Unterfangens war beträchtlich und umfasste ein Gesamtbudget von etwa 10 Millionen Euro. Die finanzielle Unterstützung für das Projekt wurde über verschiedene Kanäle sichergestellt, darunter 6 Millionen Euro von der Stadt Tarbes sowie 2 Millionen Euro vom Staat. Diese Mittel ermöglichten die notwendigen baulichen und konservatorischen Verbesserungen, die erforderlich waren, um die Türen für die Öffentlichkeit wieder zu öffnen.
Besuchsinformationen und Zugang
Das Musée Massey liegt eingebettet in den malerischen Jardin Massey in Tarbes, Frankreich (65 000). Die Tore des Museums öffnen sich täglich für die Öffentlichkeit, mit Ausnahme der Montage. Für Kunstliebhaber, die die Sammlungen über einen längeren Zeitraum hinweg tiefgründig erleben möchten, bietet ein Jahrespass für 10 € eine wunderbare Möglichkeit. Ein besonderes Privileg gilt dabei jungen Menschen unter 18 Jahren, Studierenden sowie Arbeitssuchenden, denen der Eintritt frei gewährt wird. Zudem gibt es sanfte Gesten der Gastfreundschaft: An Mittwochten oder am ersten Sonntag eines jeden Monats ist der Eintritt für einen Erwachsenen, der von mindestens einem Kind begleitet wird, kostenfrei.
Die Anreise gestaltet sich unkompliziert, da der Bahnhof von Tarbes in unmittelbarer Nähe liegt. Für Besucher mit besonderen Bedürfnissen hält der Empfangsbereich zudem Rollstühle und Kinderwagen bereit, um einen barrierefreien Genuss zu ermöglichen. Als ein geschütztes Musée de France befindet sich das Museum im Herzen des Jardin Massey, einem Garten, der als „Bemerkenswerter Stadtgarten“ klassifiziert ist. Das Gebäude selbst, gekrönt von seinem markanten Turm im maurischen Stil, bietet einen weiten Blick über die majestätischen Pyrenäen und schafft eine Atmosphäre der Stille, die sich ideal für die Betrachtung der Husaren- und Kunstsammlungen eignet.
